Der Wolf und die 7 Geisslein

Straubinger Tagblatt, 28. März 2011
Theater-Rundschau: Behutsame Bilderbuchreise Hänsel und Gretel vom Lille Kartofler Figurentheater
Von Wolf Stoecker

Märchen können grausam sein, sind es auch meistens und müssen es wohl auch sein. Aber wie erzählt man Kindern ab vier Jahren so ein Märchen, ohne die Angst der Kinder vor dem Bösen zu groß werden zu lassen und ihnen doch zu zeigen, dass das Gute siegt? Eben so, und nur so, wie es Matthias Kuchta macht. Behutsam werden die Kinder auf eine Bilderbuchreise durch das Märchen mitgenommen, sie werden zum Mitmachen angeregt und Kuchta nimmt sich viel Zeit für die Kinder, damit sie mitmachen.

Mit Textilfiguren unterschiedlichster Größe, deren Texte alle Matthias Kuchta spricht, führt er durch die Handlung, überbrückt Handlungslücken und arbeitet mit ganz einfachen Requisiten: Ein Stück Holz ist ein Baum, ein schwarzes Tuch eine Wolke, Gewitterdonner wird durch einen umfallenden Stuhl erzeugt und Hänsels Käfig ist derselbe Stuhl, nur umgelegt.

Dabei stellt Kuchta wunderschöne Bilder aus seinen Figuren zusammen, die so aussehen wie die Seiten eines Bilderbuches und den Kindern Zeit lassen zum Schauen. Behutsam nimmt der ihnen die Angst vor dem bedrohlichen Bösen und zeigt ihnen, indem er sie selbst auf die Bühne kommen lässt, wie groß die Verführungen der Hexenwelt sind und wie man sich vor ihnen schützt. Hier ist Matthias Kuchta ein wirklich guter Pädagoge!

Nebenbei wird die Kinderwelt so deutlich wie möglich angesprochen: Da streiten sich Hänsel und Gretel um die Bettdecke, da ist Gretel ein Angsthase und neckt später ihren Bruder, der vor lauter Kühnheit in die Falle gegangen ist, da lassen die Kinder sich die Steine von den Großen tragen und die Mutter in all ihrer Hartherzigkeit hat schlechte Laune. Interpretationen aus der Kinderwelt und für die kleinen Zuschauer eine ideale Brücke zum Einstieg in das altbekannte Märchen von Hänsel und Gretel.

Wunderbar und ein Genuss auch für die großen Zuschauer!


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